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Go Hufclips
Test: Manuela Niemann, geprüfte Hufpflegerin BESW und Hufschuh-Specialist BESW und Heiko Seckinger, geprüfter Hufpfleger BESW, Huftechniker BESW und Hufschuh-Specialist BESW
Text und Fotos: Manuela Niemann, Heiko Seckinger, und Dr. Alexander Wurthmann
Redaktion:Dr. Alexander Wurthmann
Seit 1875 ist die Familie Optenplatz in nunmehr fünfter Generation im Hufbeschlag tätig. Gegenwärtig sind Gustav (Senior) und Olaf (Junior) unterwegs – wobei weder der Senior richtig alt, noch der Junior ein grüner Jüngling ist. Beide sind gestandene Hufbeschlagschmiede mit großer Beliebtheit im Linksrheinischen in Mönchengladbach und Umgebung. Ihre Tätigkeit beschränkt sich dabei nicht auf die Bearbeitung der Hufe. Immer wieder werden Fortbildungen für Hufexperten, aber auch für Reiter und Reiterinnen angeboten. Ganz klar hat man erkannt, mit informierter Reiterschaft haben es die Hufexperten leichter.
Zur Rundumversorgung der Pferde zählt seit mehr als zwanzig Jahren die Entwicklung verschiedener Pflegeprodukte, die der Senior unter der Marke GO! vertreibt. GO = Gustav Optenplatz, Sie verstehen? GO aber wahrscheinlich auch = gehen. Ein wirklich nettes Wortspiel. Die meisten GO-Produkte dienen der Pflege am Huf und drum herum.
Seit etwa einem Jahr gibt es etwas neues: GO Hufclips. Keine schlechte Idee. Eine vergleichbare Entwicklung des Dänen Kjeld Thorlund Jensen brachte es im Jahr 2011 sogar bis zum „Hufschutz des Jahres“ der Allianz für Hufbearbeitung e.V. und der BESW-Akademie. Der Tenor damals: Hilfreich, aber schwierig anzubringen, da recht kurz und damit möglicherweise mit zu punktueller Wirkung.
Man könnte fast meinen, man habe sich im linksrheinischen Niederkrüchten dieses Manko zu Herzen genommen und Abhilfe gesucht. Was wäre das logischerweise? Natürlich, ein längerer 7Nail namens GO Hufclip. Allerdings war die Markteinführung so kurz nach der Präsentation des 7Nail, daß der Vorwurf der Inspiration mehr als unhöflich wäre.
Der GO Hufclip versteht sich wie der 7Nail als Alternative zum Stahl-Hufbeschlag. Er soll gezielt dort Abriebschutz bieten, wo dieser gebraucht wird, ohne den ganzen Huf mit einem Eisenschutz zu versehen, was zu den bekannten Nachteilen führt. Gustav Optenplatz preist den GO Hufclip sogar als beste Erfindung, seit es Hufeisen gibt.
Produktbeschreibung
Beim GO Hufclip handelt es sich um einen gebogenen Clip mit zwei angegossenen Aufzügen. Die Clips sind ca. 5,5 cm lang und 1,5 cm breit. Es ist nur eine Größe erhältlich. Die Clips bestehen aus einer Speziallegierung und sollen, obwohl sie nur etwa 3 mm dick sind, in etwa die gleiche Abriebfestigkeit besitzen, wie ein klassisches, 8 mm starkes Stahleisen.
Der Go Hufclip weist an der Unterseite eine Profilierung durch Längs- und Querrillen auf, die wohl zur Rutschfestigkeit beitragen soll. Die drei Nagellöcher dienen der Befestigung mit Hufnägeln am Huf. Dazu hat gibt es Spezialnägel.
Wir reden hier also von einem permanenten Hufschutz aus Eisen und damit ist dieser Hufschutz eindeutig Hufschmieden vorbehalten. Anders verhält es sich jedoch, wenn der GO Hufclip – wie vom Erfinder ausdrücklich angeregt – auf Hufschuhen angebracht wird. Dies ist zeitweiliger Hufschutz, der zudem nicht durch Schmieden angepaßt werden muß und befindet sich damit eindeutig im Aufgabenbereich der Hufpflege. Genauso wie die schon seit Jahren regelmäßig von Hufschuh-Spezialisten angewendeten Spikes.
Geliefert werden die GO Hufclips in einem hübschen kleinen Kistchen …
… zusammen mit den passenden Hufnägeln oder – wie hier – Gewindeschrauben.
Anpassung
Der GO Hufclip wurde auf zwei verschiedenen Hufschuhen getestet und zudem auf zwei verschiedene Arten befestigt. Er wurde – logischerweise – auch von zwei verschiedenen Personen getestet:
  • Manuela Niemann, geprüfte Hufpflegerin BESW und Hufschuh-Specialist BESW unterwegs um Fichtenberg herum, nordöstlich von Stuttgart und
  • Heiko Seckinger, geprüfter Hufpfleger BESW, Huftechniker BESW und Hufschuh-Specialist BESW, unterwegs in Augsburg und Umgebung.
Wir beschäftigen uns zunächst mit der geschraubten Montage der GO Hufclips, wie sie auch von Gustav Optenplatz empfohlen wird. Dazu werden zwei cm lange Gewindeschrauben verwendet, die mit den Hufclips mitgeliefert werden.
Manuela Niemann verwendete ein Paar Old Mac G2. Pro Schuh wurden 3 Go-Clips und 6 Spikes eingebaut.
Manu bestückte nur die Schuhe für die Hinterhufe. Grund: Test weniger Abnutzung der Hufschuhsohle. Da die Go-Clips alleine rutschig sind auf Asphalt, wurden zusätzlich Spikes mit angebracht.
Die Go-Clips wurden nur aufgeschraubt und nicht versenkt.

Etwas aufwendiger war die Versenkung der GO Hufclips durch Heiko Seckinger. Er verwendete ein paar Easyboot Glove Backcountry. Die Montage der Clips sollte an den vorderen Schuhen vorgenommen werden, einer in der Zehenmitte, je einer links und rechts außen am Schuh.
Wie man auf den Bildern unschwer erkennen kann, würden die Clips das Lauf- und Abrollver-halten eher verschlechtern, wenn man sie jetzt einfach aufklebt und festschraubt – vor allem würde man bei Auffußen ein Abkippen auf die Trachten auslösen, da ja hinten kein Clip montiert ist. Bleibt also nur, die Clips im Profil zu versenken – eine Idee, die wir ohne Rücksprache mit dem Hersteller im Test ausprobierten.
Der beste Weg dazu war die Erhitzung der Go Hufclips und seine anschließende Versenkung im Hufschuh. Durch die Hitze schmolz der Clip eine Vertiefung in den Hufschuh.
Aufgrund der geringen Größe der Clips war es beim Einbrennen schwierig, diese mit dem Aufbrennzirkel gerade im Profil zu versenken. Während der Versenkung ergab sich eine nicht unerhebliche Gasentwicklung und damit Gesundheitsbeeinträchtigung durch das Schmelzen des Kunststoffs.
Zusätzlich wurden die Clips mit den mitgelieferten Schrauben im Schuh fixiert. Die Schrauben waren etwas zu lang und mußten mit der Zange gekürzt werden um zu verhindern dass die Spitzen innen im Hufschuh herausstanden.
Alles in allem zieht die Montage der GO-Clips einen ziemlichen Aufwand nach sich – ich habe etwa anderthalb Stunden damit verbracht. Die Clips stehen immer noch leicht über das Profil des Schuhes heraus. Wenn man keinen Schmiedeofen zur Verfügung hat, um die Clips heiß zu machen, quält man sich noch länger mit Raspel und Dremel oder anderen Werkzeugen herum. Abgesehen von der möglichweise unzureichenden Genauigkeit des Ergebnisses …
Testbetrieb
Die geschraubten Go-Clips in Kombination mit Spikes testete Manuela Niemann bei Max einem schweren Warmblut. Max wird mit Hufschuhen sowohl geritten als auch gefahren. Er trägt sowohl vorne als auch hinten den Old Mac G2 (vorne Größe 10 und hinten Größe 9). Das Abnutzungsbild des alten Hufschuhs legt die Platzierung der Clips im Zehenbereich und an den hinteren Trachtenwänden nahe.
Als Testkandidatin für die versenkten Clips verwendete Heiko Seckinger seine 10-jährige Haf-lingerstute Antonia. Sie wird ca. drei bis viermal wöchentlich im Gelände geritten oder auf dem Platz gearbeitet. Auch lange Spaziergänge gehören mit zum Programm. Da Antonia auf Grund ihrer Huf-Vorgeschichte –Hufrehe im Jahr 2009, Hufknorpelverknöcherung beidseitig vorn – ohne Hufschutz nicht so gut läuft, ziehen wir zum Reiten und Spazierengehen Hufschuhe an. Was sich in den letzten Jahren sehr gut bewährt hat.
Derzeit benutzt Heiko den Easyboot Glove Backcountry auf allen vier Hufen. Er hat sich als Top-Hufschuh herausgestellt, der auch an nicht perfekt geformten Hufen gut hält, alle Gangarten und alle Geländevarianten aushält, ohne vom Huf zu fliegen.
Seine Backcountries sind mittlerweile seit etwa einundeinhalb Jahren im Einsatz. Das Profil ist etwa zur Hälfte heruntergelaufen, im Zehenbereich ist die Abnutzung noch stärker. Auch hier läßt das Abnutzungsbild des alten Hufschuhs die Platzierung der Clips im Zehenbereich und an den hinteren Trachtenwänden besonders sinnvoll erscheinen. Für den GO Hufclip-Test hat Heiko sich deshalb für neue Schalen entschieden, um optimale Testbedingungen zu schaffen. Als Gleitschutz waren die Hufschuhe mit Spikes ausgerüstet.
Testergebnisse
Die geschraubten GO Hufclips wurden am 15.10.2013 das erste Mal getestet. Max ging etwa einmal in der Woche mit der Kutsche bis zu zwei Stunden ins Gelände und wurde ein- bis zweimal in der Woche im Gelände auch bis zu drei Stunden geritten. Unterm Strich ging er dreimal in der Woche mit den Schuhen ins Gelände. Max ist auch im Trab und auf Asphalt gut gelaufen. Er ist auch nicht gerutscht - allerdings lag das wohl eher an den Spikes.
Und so sahen die geschraubten GO Hufclips bereits nach dem zweiten Ausritt von unten aus.
 
 
Viel schlimmer das Resultat nach sechs Wochen. Den Old Macs geht es noch leidlich gut. Aber die GO Hufclips sind an der Zehe durchgebrochen, die beiden seitlichen sind stark abgenutzt. Hier bestätigt sich an den Verschleißspuren der im Bild linken Trachtenclips auch Heikos Vermutung, daß die Pferde nach hinten abkippen können.
Die Testphase der versenkten GO Hufclips erstreckte sich über einen Zeitraum von etwa dreieinhalb Monaten.
Bei den ersten Ausritten ist aufgefallen daß Antonia mehr gestolpert ist als sonst – vermutlich weil die Clips an der Zehe nicht in der Zehenrichtung des Hufschuhs versenkt waren sondern etwas herausstanden.
Nacharbeiten mit der Flex hat das Problem beseitigt.

Vom Laufverhalten her ist der Clip im Vergleich zum Hufschuh blank oder mit Spikes (z.B. Quickstuds) klar unterlegen. Man rutscht auf Asphalt und sogar auf Schotterwegen vor allem bergab ohne Ende – wie mit blanken Hufeisen ohne Widiastifte. Dadurch dass die Clips etwas übers Profil stehen – was beim Montieren nicht zu verhindern war – ist der Grip der Gummisohle vom Hufschuh minimal geworden. Auch Ausritte bei nassem Wetter auf matschigen Feldwegen haben gezeigt, dass selbst im Matsch ein Hufschuh ohne Gleitschutz oder nur mit Spikes besseren Halt hat.
Vom Abrieb her ist im Zehenbereich kein Unterschied zu erkennen, ob mit oder ohne Clip, im Trachtenbereich laufen sich die Schuhe eher schräger ab, vermutlich durch das Abkippen nach hinten beim Auffußen, was durch die Clips verursacht wird.
Die Hufschuhe nach der Testphase von drei und einem halben Monaten: die Clips sind ar…glatt und rund gelaufen, im Zehenbereich schon durch – möglicherweise auch durch das nachträgliche Abschleifen verursacht.
Kosten
Zu den Kosten schweigt sich die website des Herstellers vornehm aus. Wir können Ihnen allerdings versichern, daß diese zivil sind.
Fazit
Beim Fazit bleibt zu berücksichtigen, daß wir die GO Hufclips in einer Spezial-Anwendung an Hufschuhen getestet haben. Was allerdings vom Hersteller ausdrücklich gut geheißen wird. Auch wenn seine Präsentation ausschließlich eine Anleitung zum Beschlag direkt am Huf enthält. Auf der Messe Pferd & Jagd 2012 konnten wir vom Hersteller selbst montierte Easy Boot mit GO Hufclips bewundern.
In dieser Anwendung sind sich Heiko und Manuela allerdings ziemlich einig: Die GO Hufclips sind bei Hufschuhen ungeeignet. Geschraubte Clips verringern den Kontakt der profilierten Hufschuhsohle zum Untergrund. Da helfen die eingegossenen Rillen wenig bis gar nicht. Durch das Einbrennen der Clips wird das Profil zusätzlich geschädigt. So verschlechtern sich die guten Eigenschaften der Hufschuhe deutlich. Das Gleitverhalten auf jeglichem Untergrund wird schlecht bis kritisch. Ohne zusätzlichen Gleitschutz wie Quickstuds oder andere Arten von Spikes sind die Clips definitiv nicht einsetzbar.
Völlig indiskutabel ist die Anwendung der Clips an Hufschuhen mit angegossener Zehenrichtung. Man weiß nicht, wohin damit. Bündig an der Zehenspitze kann der Clip nicht angebracht werden, weil die Abrundung der Zehenrichtung den Clip schweben ließe. Auf die Zehenrichtung selbst kann man ihn nicht anbringen, ohne daß die hinteren Enden in die Luft ragen und wahrscheinlich auf den ersten Metern davon fliegen würden. Hinter der Zehenrichtung anzubringen, reduziert den Effekt massiv – wie der Test beweist. Auf die nicht hinzunehmende Gesundheitsbeeinträchtigung durch die beim Einbrennen in den Kunststoffhufschuh entstehenden Dämpfe, wollen wir hier gar nicht erst eingehen.
Daß die Clips nach so kurzer Zeit auch ohne Nachbearbeitung durch die Flex relativ stark abnutzen, vereinzelt sogar durchbrechen, ist mehr als enttäuschend. Aufgrund der schnellen Abnutzung, tritt der Effekt des Abriebschutzes für den Hufschuh natürlich nicht ein. Von den Standzeiten her sind die Clips wohl eher als Alternative zum Hufeisen ausgelegt. Die langen Standzeiten eines Hufschuhs machen sie nicht mit.
Und zur Montage der Clips durch Einbrennen muß man gut ausgerüstet sein – ohne Erhitzen kommt man nicht gut klar und der Aufwand ist riesig. Und welcher Hufpfleger, der Hufschuhe verkauft, will sich schon nur für GO Hufclips einen Ofen zulegen?
Lobend sei noch zu erwähnen, daß die GO Hufclips nicht an Endkunden abgegeben werden (siehe unten). Schön wäre auch, wenn man in diesem Geist die detaillierte Arbeitsanweisung zum Beschlag mit GO Hufclips von der website nehmen würde. Insgesamt müssen wir aller-dings zu dem Ergebnis kommen, daß die Clips für den Einsatz an Hufschuhen nicht geeignet sind. Interessant wäre es, zu erfahren, zu welchen Ergebnissen Hufschmiede bei ihren Tests des GO Hufclips beim direkten Beschlag gekommen sind. Oh, sorry, bei denen sucht man Testberichte ja leider vergebens. Seit Jahren. Eigentlich forever. Warum eigentlich?
Und so lautet das Ergebnis des Tests der GO Hufclips an Hufschuhen: nicht nur knapp dane-ben, sondern weit vorbei. Schade.
Hertseller
GO Hufbeschlag
Am Ertekamp 46, D 41372 Niederkrüchten
Tel: 02163/88 90 92, Fax: 02163/88 90 91
Go-original

Kontakt zum Autor
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Autorin

Bezugsquellen
Beim Hersteller und im gut sortierten Hufbeschlaghandel
Anpassung und Beratung

Eine Liste von geeigneten Experten und ihren Kontakten (auch die der beiden Tester) findet sich auf

besw.de/hufakademie-hufexperten

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